100 Jahre

Freiwillige Feuerwehr Lipp - Millendorf
1901-2001

Die Chronik

1979 - 1985

Motto: Retten, Löschen, Bergen, Schützen -

100 Jahre im Dienst der Allgemeinheit


1979 - 1985

Zunächst wurde im Dezember 1979 der 25 Jahre alte LF 16 außer Dienst gestellt und von der Stadt Bedburg verkauft.

Am 20. Dezember 1979 gegen 13 Uhr fuhren die Kameraden mit dem neuen Fahrzeug von Ulm in Richtung Lipp.

Nun hatte unser Löschzug ein LF8 und ein TLF8. Noch vor Weihnachten wurde bei einem kleineren Brand im ehemaligen Ziegeleigelände das neue Fahrzeug eingesetzt. Wir waren von der Qualität des Fahrzeuges angenehm überrascht. Aber es gab auch einen Nachteil, das LF8 hatte keinen Allradantrieb. 

Im Februar 1980 stand die offizielle Übergabe des Fahrzeuges durch die Stadt Bedburg an unseren Löschzug auf der Tagesordnung. Alle aktiven Kameraden und die Mitglieder der Altersabteilung waren anwesend. Vor der ehemaligen Lipper Schule übergaben Bürgermeister Willy Kaiser und Ortsvorsteher Manfred Büllmann die Schlüssel und die Papiere des Fahrzeuges an Oberbrandmeister Karl-Josef Trilges. Die besten Wünsche von Rat und Verwaltung wurden uns mit auf den Weg gegeben.

Anschließend wurde die feierliche Segnung des Fahrzeuges durch unseren Ortspfarrer Josef Köning vorgenommen. Auf unsere Bitte hin setzte sich der Pastor hinter das Steuer und betätigte die Sirene. Seine trockene Bemerkung hierzu: "Das hört sich ja an wie die Posaunen von Jericho".


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Unser Löschzugführer bedankte sich in seiner Rede für dieses neue Fahrzeug und wies auf die Notwendigkeit der Erweiterung unseres Gerätehauses in Millendorf hin.

Denn langsam wurde es in unserem Gerätehaus immer enger. Das Ein- und Ausfahren der beiden Fahrzeuge war im wahrsten Sinne des Wortes "Millimeterarbeit".

Gelegentlich half nur ein Ablassen des Reifendrucks. trotz aller Widrigkeiten sind wir bei allen Einsetzen immer schnell am Einsatzort gewesen. Theoretische Unterweisung und praktische Übungen zeigten positive Ergebnisse.

Neben den zahlreichen Aufgaben im Feuerwehrbereich hat der Löschzug ganz entscheidende Fixpunkte im dörflich-geselligen Charakter unseres Stadtteiles gesetzt. Unser Ziel war ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander mit den übrigen dörflichen Vereinen und Vereinigungen.

Heute können wir dankbar feststellen, dass sich dieses Vorhaben voll und ganz erfüllt hat.

Uns fehlte aber noch eine eigene Veranstaltung. Auf Anregung des Leiters des Lipper Polizeipostens Richard Kottowski wurde am 23. August 1980 auf dem Küppershof in Millendorf ein Grillabend durchgeführt. Hierzu wurde durch Presseankündigungen und Wurfzettel eingeladen. Immer wurde die Einmaligkeit dieses zünftigen Grillfestes betont. Aber alles kam ganz anders. Wir waren selbst vom großen Zuspruch der Bevölkerung überrascht.


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Die Berichterstattung in der Presse war überaus positiv. So berichtete das ERFT-ECHO am 28. August 1980:

"Auf dem Küppershof in Millendorf herrschte am Samstagabend der erwartet große Trubel. 'Tanz auf der Tenne' war einmal etwas anderes, was es zudem auch noch nicht gegeben hatte. Musik, Bier und leckere Grillspezialitäten gab es in Hülle und Fülle. Alle Löschzüge der Stadt Bedburg hatten Abordnungen geschickt. so wurde aus diesem Grillfest das große Feuerwehrfest in der Stadt Bedburg."


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Die Kölnische Rundschau schrieb:

"Eine Atmosphäre wie in alten Zeiten herrschte bei dem von den Wehrmännern des Löschzuges Lipp-Millendorf ausgerichtete Grillfest. die meisten Bewohner von Lipp und Millendorf waren zu diesem Grillfest gekommen, um sich noch einmal an früher erinnern zu können, wo auf den Bauernhöfen der Tanz auf der Tenne abgehalten wurde. So hatten die Wehrleute eine offene Gerätehalle zu einer Bauernschänke umfunktioniert und eine Tanzfläche in der Mitte des Innenhofes errichtet. Bei Bier vom Fass und verschiedenen Grillspezialitäten zu 'volkstümlichen Preisen' fiel es den Besuchern nicht schwer, sich nach Herzenslust zu amüsieren"


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Der überwältigende Erfolg des Grillfestes, davon waren wir jetzt überzeugt, konnte und durfte keine einmalige Angelegenheit bleiben. Für das nächste Jahr war Tanz auf der Tenne angesagt. Unser TENNENFEST war geboren. Weit über die Grenzen der Stadt Bedburg und weit über die Grenzen des Erftkreises ist dieses Tennenfest zu einem Treffpunkt für Jung und Alt geworden. Wir bemühen uns Jahr für Jahr gute Gastgeber zu sein.

 Neben den eigentlichen Aufgaben der Feuerwehr übernahmen wir zusätzliche Aufgaben.

Die jährlich stattfindende Haussammlung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräber-Fürsorge wird von den Mitgliedern unseres Löschzuges auf freiwilliger Basis seit 1980 durchgeführt. Hierbei konnten beachtliche Beträge gesammelt werden.

1981 wurde die Bevölkerung unseres Stadtteiles durch eine Brandserie beunruhigt. Strohschober, einige Stallungen und Anbauten gingen in Flammen auf. Ein PKW brannte völlig aus. Nachdem der Versuch unsere Kirche anzuzünden gescheitert war, konnte der Täter dingfest gemacht werden. Ins Dorf kehrte wieder Ruhe ein.

Am 11. Januar 1982 pflanzten wir an alter Stelle eine kanadische Eiche als Ersatz für den 1966 abgebrannten Schunkenbaum. Damit wurde wiederum eine hervorragende Leistung des Löschzuges Lipp-Millendorf für die Bevölkerung erbracht, die weit über den eigentlichen Aufgabenbereich der Feuerwehr hinausgeht.

Im November 1982 legten Stadtbrandmeister Andreas Hemmerich und der stellvertretende Stadtbrandmeister Alfons Schramm ihre Ämter nieder.

Am 01. Mai 1984 war für die Bewohner unseres Doppelortes wieder ein großer Tag. Der Rendant unserer Pfarrgemeinde, Herr Josef Uerlings, schreibt in der Pfarrchronik von St. Ursula zu Lipp:

"Am Dienstag, dem 1. Mai 1984, um 10:30 Uhr wurde an historischer Stelle der Schunkenbaum eingeweiht. Zu diesem 'Baumfest' hatte die Freiwillige Feuerwehr Löschzug Lipp-Millendorf eingeladen. Das 'Schunkeböömche' ein großer und mächtiger Baum stand auf einer Anhöhe ganz in der Nähe des Schunkenhofes zwischen den Dörfern Pütz und Kirchtroisdorf. Es war eine aus acht Stämmen zusammengewachsene Ulme mit einer Riesenkrone. Dieser Baum war stundenweit sichtbar. Von ihm ging die Sage, dass hier in alter Zeit einmal eine Schlacht stattgefunden habe. Ein Gedenkstein trägt die Inschrift:

Über 400 Jahre stand an dieser historischen Stelle die Ulmengruppe "Schunkenbaum".

In ihrem Schatten ruhte Kaiser Napoleon und Kronprinz Wilhelm.

der Löschzug Lipp-Millendorf pflanzte 1982 den neuen "Schunkenbaum"

An diesem Tag regnete es so stark, dass der eigentliche Schunkenbaum nur von Fahrzeugen mit Allradantrieb erreicht werden konnte. Nach der Enthüllung des Gedenksteines durch unseren Löschzugführer Karl-Josef Trilges und der Einsegnung durch unseren Pfarrer Josef Köning wurde das eigentliche Baumfest kurzerhand in die ehemalige Schule verlegt. Hier nutzte die Bevölkerung die Gelegenheit zu geselligem Beisammensein.

Unser Löschzug bewies wieder die Heimatverbundenheit der Wehr. Über den Tag hinaus hat dieses Baumfest Auswirkungen im dörflichen Gemeinschaftsleben bis auf den heutigen Tag.

Die örtliche Presse hat ausführlich über unsere Aktivitäten berichtet, die Resonanz in der Bevölkerung war positiv.

Am darauf folgenden Wochenende erlebten wir eine Katastrophe von ungeahntem Ausmaß. Die Pfarrchronik berichtet:

"Es war am Samstag, dem 05. Mai 1984 zwischen 16 und 17 Uhr, der Himmel verdunkelte sich und Donner grollte von ferne, hier in Lipp fallen nur vereinzelte Tropfen Regen. Jedoch ca. 8 km von Lipp entfernt in Kirch-Grottenherten, Pütz, Kirchtroisdorf und Etgendorf ergießt sich eine verheerende Sintflut. In Kirch-Grottenherten lag der Hagel stellenweise 20-30 cm hoch. Im Umkreis von 3-4 km richtete das Unwetter Schäden in großem Ausmaß an."

Die kölnische Rundschau schreibt:

"Gegen 17:15 Uhr rückt die Feuerwehr der gesamten Stadt Bedburg aus. Doch die Wehrleute stehen auf verlorenen Posten. Wenig später treffen die Feuerwehren aus Kerpen, Bergheim und Elsdorf ein. Rund 300 Wehrmänner versuchen unter Einsatzleitung von Michael Mocken und Hermann Ables Herr der Lage zu werden. Im Kichhertener Gerätehaus richten Feuerwehr und MHD eine Einsatzleitstelle ein, damit die ersten Rettungsmaßnahmen koordiniert werden. Pausenlos pumpen die Wehrmänner Keller und Straßen leer. Unterdessen macht sich in der Bevölkerung der betroffenen Stadtteile lähmendes Entsetzen und ohnmächtige Wut über die Ausweglosigkeit der Lage breit. Immer weiter steigt das Wasser. Bis morgens um 03:30 Uhr laufen die Pumpen auf Hochtouren. wenige stunden Schlaf folgen, dann heißt es wieder Einsatz."

Wir waren von Anfang an im Einsatz und gaben unser Bestes. Bis zum Umfallen wurde geholfen. Alle am Einsatz Beteiligten haben bis an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit gearbeitet. Bürgermeister Willi Kaiser bezeichnete das Unwetter als "eine Katastrophe, wie ich sie in dieser Form noch nie gesehen habe."

Die Schäden vor Ort belaufen sich auf mehrere Millionen Mark.

Die Zusammenarbeit der Löschzüge der Stadt und die Zusammenarbeit mit den auswärtigen Löschzügen wird im Nachhinein von den verantwortlichen Fachleuten gelobt.

Hier ein Foto unseres LF8 im Einsatz:


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Leider wurde bei diesem Einsatz ein Kamerad unseres Löschzuges verletzt.

Am 27. Dezember 1984 zerstörte eine gewaltige Gasexplosion in Millendorf ein Einfamilienhaus. Eine 19-jährige Bewohnerin kam mit Schock und Schrammen davon.


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Der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt:

"Ein Knall schreckte am Abend des 27. Dezember gegen 20 Uhr die Bewohner von Millendorf auf. Vermutlich infolge eine defekten Propangasleitung kam es in einem Einfamilienhaus auf der Erkelenzer Straße zu einer schweren Explosion. Fast gegenüber der Unglückstelle befindet sich das Feuerwehrgerätehaus des Löschzuges Lipp-Millendorf. die Wehrmänner diese Löschzuges waren als erste in dem Gebäude und durchsuchten die Räume und kümmerten sich um die Hausbewohnerin. der Löschzug Bedburg wurde zusätzlich nach Millendorf beordert. Durch die Wucht der Explosion wurde eine Seitenwand des Backsteingebäudes vom Dach bis zum Keller aufgerissen. Da für diesen Bereich Einsturzgefahr bestand, sperrte die Kriminalpolizei das Gebäude.

Die Wehr konnte sich auf Sicherungsarbeiten beschränken. Zwei Katzen wurden in ein Tierheim gebracht.

Die vier Bewohner des Hauses wurden in Bedburg-Rath untergebracht. Nach Gutachten der Stadt und Versicherung war das Gebäude nicht mehr zu retten und musste abgebrochen werden.

 

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