100 Jahre

Freiwillige Feuerwehr Lipp - Millendorf
1901-2001

Die Chronik

1914 - 1938

Motto: Retten, Löschen, Bergen, Schützen -

100 Jahre im Dienst der Allgemeinheit

1914 - 1938 

Der 1. Weltkrieg

Am 28. Juni 1914 wurde in Sarajevo der österreichisch-ungarische Thronfolger und seine Frau ermordet. Am 01. August verfügt Kaiser Wilhelm II. die Generalmobilmachung im Deutschen Reich. Der 1. Weltkrieg begann.

Auch unser friedliches Dorf spürt die Folgen des Krieges. Viele Männer, darunter auch Kameraden der Feuerwehr, werden zu den Waffen gerufen und kämpfen an verschiedenen Fronten. Bei Kriegsende sind 17 Gefallene und 1 Vermisster zu beklagen.

Am 15.12. 1917 starb Brandmeister Hubert Krischer. Die Zeitung schreibt:
"Leider konnten nur wenige Wehrmänner am Begräbnis teilnehmen, da die Feuerwehrkameraden fast ausschließlich zu den Fahnen gerufen wurden und an der Front weilten."

Schlossermeister Josef Schiffer aus Lipp wurde neuer Brandmeister und führte die Wehr in diesen schweren Zeiten.

Im Krieg beschränkten sich die Aktivitäten der Wehr auf das erforderliche Mindestmaß. Wieder war Nachbarschaftshilfe gefordert.

Am 08. Dezember 1918 wurden englische Soldaten in der Schule einquartiert. Schule und Gerätehaus wurden beschlagnahmt. Verordnungen der Besatzungsmacht regelten das Alltagsleben.

Die Freiwillige Feuerwehr nahm ihren Dienst wieder auf. An den Feuerwehrtagen auf überörtlicher Ebene konnte teilgenommen werden.

Aber auch die Besatzungsmacht endete.

Der damalige Schulleiter, Lehrer M. Schmalen, berichtet in seiner Lipper Chronik:

"Glockengeläut und Böllerschüsse zu mitternächtlicher Stunde des 31. Januar 1926 kündete endlich die Befreiung unserer Heimat von der Besatzung an."

Besonders stolz war die Wehr auf dem neben der Schule errichteten Steigerturm. Hier wurden Kletterübungen mit der Hakenleiter geübt. Unübertroffen waren die Leistungen von Lambert Breuer und Fritz Laven. Der Turm wurde auch zum Trocknen der Schläuche genutzt.

Erst nach 1950 wurde dieser Turm, eines der Lipper Wahrzeichen, abgebrochen.

Im Jahre 1926 konnte die Wehr ein rundes Jubiläum feiern, sie wurde 25 Jahre alt. Auf dem damaligen Plakat ist der Ablauf des Jubiläums ersichtlich.

Alte Unterlagen weisen aus, dass dieses beachtliche Programm, die gute Organisation und die hervorragende Durchführung des Jubiläums weit über die Grenzen der Kreise Bergheim, Jülich und Grevenbroich eine große Attraktion war. Die gelungenen Jubiläumsfeierlichkeiten haben zahlreiche junge Männer des Dorfes zum Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr veranlasst.

1931 fand in Lipp der Kreisfeuerwehrtag statt. Für die Feuerwehr, die im Verhältnis zu den Wehren der großen Städte eine relativ kleine Wehr war, bedeutet dies zugleich Herausforderung, Auszeichnung und Anerkennung für die bisher an der Allgemeinheit geleisteten Dienste. Abschluss des Kreisfeuerwehrtages bildete eine gemeinsame Großübung. Insgesamt nahmen über 450 Männer aller Wehren der Städte und Gemeinden des Kreises Bergheim und der verschiedenen Werksfeuerwehren teil.

Der Landrat, der Kreisbrandmeister und die übrigen Brandmeister waren mit den gezeigten Leistungen zufrieden und dankten der Freiwilligen Feuerwehr Lipp-Millendorf.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten änderte sich auch bei der Feuerwehr einiges. Die staatliche Bevormundung nahm zu. Politische Schulung wurde zum Bestandteil der theoretischen Unterweisung. Zu den verschiedenen NS-Organisationen mussten Beiträge entrichtet werden. Trotz der politischen Umwälzung konnte die Wehr ihren Mitgliederstand verstärken und ihre Leistungsfähigkeit stetig steigern.

Am 08. Januar 1938 brannte es in der Lipper Kirche. In der Pfarrchronik steht:

"Vor Beginn der hl. Messe brach ein gefährlicher Brand aus, der an der Krippe entstand. Beim Kerzenanzünden muss wohl ein Messdiener einem Tannenbaum zu nahe gekommen sein, im Augenblick brannte die ganze Krippe, die auf dem Marienaltar im gotischen Seitenschiff, der Männerseite, aufgebaut war. die Flammen schlugen am alten kostbaren Fenster mit der Kreuzigungsdarstellung herauf bis zum Gewölbe. Pfarrer Johannes Arets und Küster Heinrich Sons löschten bis zum Eintreffen der Feuerwehr. Der Küster verbrannte ich eine Hand."


Klicken Sie auf das Bild um Ausschnitte zu vergrößern

Das gotische Seitenschiff musste vollständig neu gestrichen werden. Neue Krippenfiguren wurden beschafft. Der Schaden betrug insgesamt 1200 RM.

Inzwischen war Gottfried Schmitz zum Brandmeister und damit zum Leiter unserer Feuerwehr ernannt worden. Seiner umsichtigen Arbeit ist es zu verdanken, dass in diesen politisch und menschlich schwierigen Zeiten die Feuerwehr eine intakte Gemeinschaft blieb.

Zurück                      Aufwärts